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MIXED MEDIABarbara Ullmann, Barbara Szüts, Sonja Weber05.02. – 11.04.2010 |
Vernissage am 05.02.2010, 19h
Im ursprünglichen Sinne steht Mixed Media für Materialmix. Die Anfänge einer Kunst die verschiedene Materialien in einem Werk vereint sind in der Collage zu verzeichnen. Anfang letzten Jahrhunderts klebten erstmals Braque und Picasso Papierstücke in ihre Bilder. Das Einkleben von Zeitungsfragmente, Zetteln, Fotos oder Tapetenreste wurde von den Künstler dabei als Möglichkeit zur Konfrontation unterschiedlicher Realitätsebenen erkannt.
Die Ausstellung MIXED MEDIA dagegen ist, wenn man so möchte, als Gesamtkunstwerk zu sehen, bestehend aus einem Materialmix aus Holz, Edelstahl, Aluminium und Stoff. Erzeugt wird der Materialmix nicht innerhalb der einzelnen Arbeiten, sondern generiert sich aus dem Zusammenspiel des künstlerischen Schaffens drei Künstlerinnen, die jeweils mit unterschiedlichen Materialien, teilweise intermedial, arbeiten sowie einer Musikperformance am Abend der Vernissage.
Barbara Szüts geht es in ihrem Werk vorrangig um Bewegung. Fünfzehn Jahre arbeitete sie im Medium der Malerei, in der sie die Linie als formbildendes Element thematisierte, bis sie 1987 begann ihr Werk von der Wand zu lösen, hin in den Raum mit großformatigen Skulpturen. Zentrales Thema bleibt die Linie. Ihre Arbeiten sind plastische Fassungen von bewegten Linien, geronnene Bewegungen sozusagen. In Ihrer jüngsten Werkphase ab 2007 überlagern sich nun in der Wahrnehmung Zeichnung und Skulptur und umgekehrt. Dabei dienen ihr die Linien von digitalisierten Zeichnungen als Basismaterial für die endgültige Form. Nachdem die Zeichnung durch mehrere Computerprogramme marschiert ist, materialisiert sie sich am Ende neu, als Skulptur in Aluminium, die sowohl einen Ort an der Wand als auch im Raum markiert.
Barbara Ullmann arbeitet hauptsächlich mit dem für die Bildhauerei traditionellen Werkstoff Holz. Inspiriert durch ihren Lehrer Sean Scully, der ihr riet „extrem zu werden“, schafft sie mit der Flex Schnittbilder, ja Tafelskulpturen aus Holz. Mit Abstand betrachtet zeigen ihre Arbeiten eine zarte Filigranität. Tritt der Betrachter an das Werk heran, ist er oftmals überrascht, wenn er erkennt, dass es sich um tiefe, teilweise verkohlte Einschnitte handelt. Die Arbeiten Ullmanns sind Kunstwerke, die aus leidenschaftlicher Vitalität und Wahrhaftigkeit entstanden sind und ihre Intensität aus dem Schmerz und der Einsamkeit der Künstlerin schöpfen: „Jeder einzelne Schnitt, den ich in die Holztafeln fräse befreit und schreit. Bis alles zerschnitten ist und eine neue Dimension entstanden ist.“
Bei Sonja Webers gewebten Bildern handelt es sich nicht um traditionelle Textilkunst. Vielmehr sind ihre Arbeiten zwischen den Medien Fotorealismus, Computerkunst, Textilkunst und Tafelmalerei anzusiedeln. Als Grundlage für ihre, von Plastizität und Bewegtheit aufgeladenen Bilder von Wasser, Wolken und Haaren, dienen von ihr aufgenommene Fotografien, die sie bearbeitet und auf einen computergesteuerten Webstuhl umsetzt in ein sehr feines Gewebe, das eine irisierende Oberfläche aufweist. Diese durch das Heben und Senken des feinen Fadens entstandene Oberflächenstruktur ist bei Webers Arbeiten von entscheidender Wichtigkeit denn je nach Lichteinfall und nach Standpunkt des Betrachters gewinnt das Dargestellte an Plastizität. Es tritt durch die unterschiedliche Licht-Schattenwirkung in den Raum, wird dreidimensional.
Isabelle Lesmeister, Kunsthistorikerin M.A.

